Oder: Warum ein Argentinier eine deutsche Grillwurst nicht einmal an seinen Hund verfüttern würde

 | Fotos: Sprachheld

Argentinien ist nicht nur ein berühmtes Urlaubsland, sondern ebenso berühmt für vor allem drei Dinge: den argentinischen Tango, den argentinischen Fußball und den argentinischen Asado.

Wer selbst schon einmal in Argentinien war, der weiß, dass zwischen einem deutschen Grill und dem „asado argentino“ ein riesengroßer Unterschied besteht. 

  • Fleisch: Während in Deutschland vorwiegend Wurstwaren und kleinere Fleischstücke wie Steaks oder Koteletts auf dem Grill landen, wird in Argentinien schnell einmal ein 6 oder 7 Kilo (oder auch mehr) schweres Rippenstück vom Rind zubereitet. Beilagen wie Salate, von denen die Deutschen wahre Fanatiker sind, locken dahingegen keinen Argentinier von der „parilla“ weg. Ein paar Scheiben Tomaten und etwas grüner Salat dekoriert mit geschnittenen Zwiebeln – zack, und fertig ist das vegetarische Alternativmenü.
  • Gemeinschaft: Ist der deutsche Grill eher ein Anlass für Familie und engere Freunde, kommen in Argentinien mit allen „amigos“ schnell einmal 20 bis 30 Personen zusammen. Der Ausdruck „amigo“ ist dabei sehr weit gefasst und kann von einem losen Bekannten über einen alten Jugendfreund bis hin zu einer amourösen Bekanntschaft alles bedeuten.
  • Ablauf: Dient das Grillen in Deutschland hauptsächlich dem Endzweck Nahrungsaufnahme, ist es in Argentinien ein sozialer Anlass. Man trifft sich, um einen Geburtstag zu feiern (etwas was einen annähernd so hohen Stellenwert besitzt wie das Grillen), um sich auf ein Fußballspiel einzustimmen oder einfach um einen sonnigen Tag nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Dazu plaudert und trinkt man ausgiebig – je nach Region eher Wein, Bier oder den berühmt-berüchtigten „Fernet con Coca“. Gegrillt wird nebenbei und mit all der Ruhe und Gelassenheit, welche die Zubereitung einer halben Kuh eben benötigt.
  • Zubereitung: Grillkohle ist allerhöchstens etwas für den kleinen Mittwochs-Asado zwischendurch. Ein richtiger „asado argentino“ gehört auf der Glut von Holz zubereitet. Nicht nur der Tradition wegen, sondern vor allem auch wegen des Geschmackes.

Was landet in Argentinien auf dem Grill:

Ein typischer „asado argentino“ beinhaltet verschiedene „cortes“ – dazu gehören unter anderem auch verschiedene Arten von Innereien. Vor allem, wenn der asado „bien popular“ ist. Die wichtigsten davon habe ich im Folgenden aufgelistet:

Fleisch:

  • Tiras de asado: Fleischstreifen (aus dem „costillar“ geschnitten) mit Knochen. Schnell zubereitet, das hohe Verhältnis von Knochen zu Fleisch erfordert allerdings eine Bearbeitung mit Zähnen und „Klauen“.
  • Vacío: Ein Stück Fleisch ohne Knochen, das zwischen den Rippen und dem Hohlraum der Hüfte liegt. Zubereitung dauert etwas länger - vor allem, wenn das Fleisch am Ende zart und saftig sein soll.
  • Entraña: Das Diaphragma des Rindes, welches an den Rippen anliegt. Einer meiner Favoriten. Dünn, saftig und trotzdem kaum Fett.
  • Matambre: Zwischen den Rippen und dem Fell/Leder gelegen. Ebenfalls dünn und sehr saftig, aber im Gegensatz zur „entraña“ auch sehr fettig. Wichtig deshalb, dass er gut knusprig vom Grill kommt und noch heiß (am besten mit frischem Weißbrot) verzehrt wird. Mjam…
  • Colita (o tapa) de cuadril: Stammt aus dem unteren Teil des Hüftstück des Rindes. Ebenfalls ohne Knochen und relativ mager. Nicht der beste Teil eines „asado argentino“ (zumindest meiner Meinung nach), aber der mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis.
  • Bife angosto: Koteletts. Oder „Kotelettones“ wie ein spanischer Muttersprachler aufgrund von deren Größe sagen würde. Aus dem unteren Lendenstück, von Fett durchzogen und mit oder ohne Knochen erhältlich.
  • Costillar: Die Königsklasse unter den argentinischen Grillstücken. Eine komplette Rippenhälfte, welche im Schnitt zwischen 4 und 10 Kilo auf die Waage bringt. Genauso königlich wie ihr Geschmack, ist auch die Zubereitung und deshalb nur den erfahrensten „asadores“ vorbehalten.

Wurst und Innereien:

Innereien werden in Argentinien als „achuras“ bezeichnet. Ein Ausdruck der aus dem Araucano (Sprache der indigenen Bevölkerung der Mapuche) übernommen wurde und so viel wie “lo que no sirve y se tira” bedeutet.

  • Chorizos criollos: DIE argentinische Wurst. Jede Fleischerei besitzt ihr eigenes (und oft seit Generationen überliefertes) Rezept. Als „choripanGrundnahrungsmittel der unteren Bevölkerungsschichten. Auf dem Grill darf sie allerdings auch in den besten argentinischen Häusern von Recoleta bis nach San Isidro nicht fehlen. Bildet zusammen mit der
  • Morcilla (Blutwurst) die klassische Vorspeise eines argentinischen Asados.
  • Chinchulines: Dünndarm. Knusprig gegrillt. Zugegebenerweise nicht jedermanns Sache, aber trotzdem etwas, was man auf keinen Fall ablehnen sollte. Auf jeden Fall nicht, falls man nicht den Grillmeister persönlich, sowie den Nationalstolz aller Anwesenden zusätzlich, beleidigen möchte.
  • Molleja de ternera: Die Thymusdrüse des Kalbes. Klingt eventuell beim ersten Hören nicht direkt so, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Richtig zubereitet aber genauso richtig lecker. Deshalb nicht umsonst auch als „der Kaviar des Rindes“ bezeichnet und mit einem ebensolchen Preis versehen.

WICHTIG: Das Fleisch vor dem Grillen AUSGIEBIG mit Salz und Zitronensaft einreiben. Das ausgiebig ist hier übrigens nicht zum Spaß großgeschrieben.

Ich hoffe, ich konnte in diesem Beitrag einen kurzen Überblick dazu geben, was einen echten „asado argentino“ ausmacht und warum Sie sich bei Ihrem nächsten Argentinienaufenthalt auch nicht mit weniger zufrieden geben sollten.

Falls Sie davor noch Spanisch lernen wollen, schauen Sie doch bei uns von Sprachheld vorbei. Mein Name ist Jeremy-James Peter und ich bin nicht nur eines der Teammitglieder, sondern ebenso gebürtiger Österreicher, der seit fast 4 Jahren in Argentinien lebt. Inzwischen in der Provinz Córdoba, in der gleichnamigen Provinzhauptstadt – dem schönsten Ort der Welt.

 

Dies ist ein Gastbeitrag von Sprachheld.